Aber fangen wir mal ganz am Anfang an:

Das Brotbacken hat auf der Insel eine lange Tradition, die bis in die Antike zurückreicht. In den verschiedenen Regionen haben sich so auch unterschiedliche Sorten herausgebildet, z. B. „Pane Carasau“, dünnes lang haltbares Brot, das einst Hirten mit auf Wanderung nahmen, oder dicke Fladen aus Weizengrieß für die wohlhabenden Familien.

Pane Carasau / Carta di Musica (Notenpapier): Das Pane Carasau ist ein sehr dünnes und trockenes Fladenbrot. Man findet es ähnlich wie auf dem italienischen Festland die Grissini´s (dünne Brotstängchen) als Tischgedeck vor. Dieses knabbert man, während man auf das eigentliche Essen wartet oder einfach zu den Vorspeisen wie Schinken/Käse.  Zu Vorspeisen wird es einfach in grobe Stücke gebrochen, etwas mit hochwertigem Olivenöl beträufelt und dann mit Schinken, Käse oder „Salsiccia“ (luftgetrocknete Salami vom Haus- oder Wildschwein) in Scheiben belegt. Das ist die einfachste Variante, das gute Pane Carasau zu genießen. Eine erweiterte Variante findet sich im Pane Guttiau, was ein Pane Carasau mit bereits aufgestäubten Olivenöl ist. Für die Chips-Essende Jugend, mittlerweilen aber bei allen Generationen beliebt, ist Pane Guttiau in kleinen viereckigen Chips in der Tüte.

Käse: Pecorino, Peretta, Scamorza,  und Casu Marzu: Pecorino Sardo. Er wird auf Sardinien mit unterschiedlichem Reifegrad verkauft, mal ganz jung und weich, mal ganz alt und von sehr fester Konsistenz. Der Pecorino Sardo schmeckt ganz anders, als der Pecorino aus den Kühltheken unserer Supermärkte – Ihr sollte ihn unbedingt probieren.

Peretta, ein kleiner tropfenförmige milder Käse, der aus Kuhmilch hergestellt wird. Diesen gibt es auch geräuchert und nennt sich dann Scamorza.

Eine Besonderheit findet sich im Casu Marzu, den es offiziell gar nicht mehr geben dürfte, da er von der EU verboten wurde; was den Käsebauer in den Bergdörfern der Insel mal so gar nicht interessiert 😉. Es handelt sich um einen Käse, der aus Schafsmilch hergestellt wird. Während anderer Käse „nur“ fermentiert, wird dieser Prozess von Maden der Käsefliege noch weiter vorangetrieben.

Ja, Ihr habt richtig gehört – dieser Käse lebt. Die nur wenige Millimeter großen Maden „wühlen“ sich im Laufe der Monate durch den Käse, nehmen ihn auf und scheiden ihn dann wieder aus.

Während der „noch unerfahrene“ Käsekonsument die Maden vor dem Verzehr entfernt, gelten sie bei den sardischen Käseliebhabern als Delikatesse.

Aufgrund der Lebensmittelvorschriften ist der Verkauf von Casu Marzu offiziell eigentlich nicht nicht erlaubt. Es gibt aber eine Version die unter strengen Vorschriften, ich nenne es fast schon Labor hergestellt wird. Viel einfacher ist es, in den Bergdörfern beim Mittagslunch danach zu fragen 😉.

Vorspeise/Hauptspeise aus dem Meer: 

Bottarga: der sardische Kaviar, getrockneter und gepresster Rogen vom Thunfisch oder der Meeräsche. Man isst ihn als feine Scheibchen geschnitten mit einem Tröpfchen Olivenöl und Weißbrot oder gerieben über Spaghetti.

Muscheln: Als Vor- oder Hauptspeise, mit Tomaten- oder Weißweinsauce oder als Bestandteil im Meeresfrüchtesalat gereicht.

Scampi: kleine Scampi im Meeresfrüchtesalat zu finden, die Großen werden am Spieß gegrillt.

Meeresfrüchte Salat: ein leckerer bunter Mix aus Muscheln, Tintenfisch, kleine Scampi´s.

Erste und zweite Hauptspeisen:

Gnocchetti sardi / Malloreddus (je nach Dialekt auch mal Smalureddus) sind sehr Artverwandte sardische Nudelsorten, die teilweise optisch an kleine Maden erinnern. Es handelt sich um Nudeln aus Hartweizengries. Sie sind sehr klein und werden in der Regel als „Malloreddus alla Campidanese“, besagte Pasta mit Tomatensauce, Safran und Salsiccia (Bratwurststücke) serviert. Das Gericht ist einfach, sehr lecker und sättigend und ist obendrein typisch sardisch!

Ravioli: Eine köstliche Nudeltaschenspezialität gefüllt mit Ricotta, Spinat, manchmal verfeinert mit Safran.

Fregola: Bei den Fregola oder auch Fregula wird die Nähe zu Afrika deutlich. Es handelt sich zwar um Pasta, die ist aber so klein in Kugeln gerollt ist, dass sie dem Couscous schon recht nahe kommt. Fregola werden beispielsweise in Suppen verwendet, aber auch als Pastagericht mit Tomaten/Fleisch oder Steinpilz Sauce findet man sie auf der Speisekarte.

Cullurgiones: Kunstvoll zusammengefaltene Nudelteigtaschen, die an den Haarzopf einer Frauenfrisur erinnern. Gefüllt sind diese leckeren Teigtaschen mit zerstampften Kartoffeln, vermischt mit diversen Käsesorten und Minze. Serviert wird diese Pasta mit einer einfachen Tomatensoße und geriebenem Pecorino Sardo, einem Hartkäse aus Schafsmilch. 

Zuppa Gallurese: Zuppa Gallurese oder Zuppa Cuata ist ein typisches Gericht  aus der Region Gallura im Norden von Sardinien. Auch wenn das Wort Zuppa eigentlich Suppe bedeutet, handelt es sich bei diesem typischen Gericht nicht um eine Suppe, sondern ist eher eine Form von Lasagne. Anstelle von Pastateig werden Brotscheiben verwendet (verschiedene Brotarten). Zwischen die Brotscheiben wird verschiedener Käse gelegt (traditionell Schafskäse). Das wichtigste aber, ist die selbstgemachte Boullion nach Tradition mit Lammfleisch, die am Schluss über das Brot und den Käse gegeben wird und dann ab in den Ofen. 

Spaghetti mit Seeigel/Spaghetti con ricci – ein Gericht für Liebhaber der Meeresfrüchte!

Da es zwischen April und November strengstens verboten ist, die Seeigel aus dem Meer zu fischen, ist die beste Zeit um „ricci di mare“ zu probieren, in den Herbst/Wintermonaten. Während der Saison darf auch nur eine gewisse Anzahl Seeigel gefischt werden, damit diese Gattung weiter erhalten bleibt. Besonders empfehlenswert ist es, dieses Gericht in Castelsardo oder Santa Teresa di Gallura zu testen und dazu einen sardischen Cannonau zu probieren, welcher perfekt mit dem Geschmack des Seeigels harmoniert.

Spaghetti allo scoglio oder al cartoccio: Meeresfrüchtespaghetti, die im Falle von „al cortoccio“ in Aluminiumfolie gegart werden.

Porcetto: Spanferkel mit vielen Kräutern am offenen Grill geröstet; im unverschämten Glücksfall, direkt im ausgeglühten Erdloch gegrillt (carne e carraxiu). 

Land- und Meeresschnecken stehen je nach Region und Jahreszeit auch sehr häufig auf den Speisekarten. 

Orata und Spigola (Dorade und Wolfbarsch): Diese beiden dürften die am häufigsten verspeisten Fischarten auf Sardinien sein. Traditionell werden sie gegrillt und oft auch im Salzmantel serviert. Wenn am Nachbartisch ein Tablett mit einem Salzberg gereicht wird, wundere dich nicht darin versteckt sich die äußerst leckere Dorade. 

Polpo (Tintenfisch): Tintenfisch findest du meistens auf zwei Arten zubereitet. Frittiert oder vom Grill. Sehr empfehlenswert Moscardini 

Pferdfleisch: Was früher in ganz Deutschland üblich war, nunmehr nur noch in einigen Regionen der Republik ist in Sardinien gang und gäbe.

Dolci (Nachspeisen):

Seadas – auch Sebadas genannt – gehören zu den wohl typischsten Nachspeisen. Allerdings ist diese so mächtig, dass sie fast als eigenständiges Gericht durchgeht. Ursprünglich handelte es sich dabei auch um einen „Secondo“ – also einen zweiten Gang. Seadas sind Teigtaschen, die mit Käse gefüllt sind, in Olivenöl frittiert oder gebacken und anschließend mit Zucker oder Honig übergossen werden; vereinzelt wird auch geriebene Zitronenschale mit verwendet.

Auch sehr bekannt; Dolci Sardi (Gebäck): Diese teilweise verzierten und eingepackten Süßspeisen mit den Hauptzutaten Mehl, Zucker, Honig und Mandeln werden gerne nach dem Essen gereicht. Klassiker Amarettini (Mandelgebäck).

Torone, Mandel-Honig-Süßspeise, vorzugsweise aus Tonara. Die sardische Antwort auf türkischen Honig!

Bekannt ist Sardinien außerdem für seine vielen Honigsorten, wie Erdbeerbaum-, Distel- und Kastanienhonig.

Was wird in Sardinien getrunken?

Weißwein: 

Vermentino – ein sehr aromatischer Weißwein, der im großen Stil in der Gallura um die Orte Berchidda, Monti und Arzachena angebaut wird. Spitzenreiter aus Monti sind der herrlich fruchtig spritzige Funtanaliras und Arakena.

In der schwer zugänglichen Region Gallura im äußersten Nord-Osten Sardiniens wächst unter schwierigen Bedingungen auf mit Granitbrocken übersätem Sandsteinboden der ‚Kultwein‘ Sardiniens heran: der Capichera! Er ist trocken, lebendig, voll und reichhaltig, mit fruchtigem und aromatischem Fruchtfleisch, der Abgang ist lang und anhaltend mit reichem Mineralgeschmack und eleganter Fülle.

Weitere bekannte Weiße sind der helle Nuragus aus dem Campidano und der Aragosta aus Alghero. Im Westen werden auch einige großartige Dessertweine angebaut, vor allem die Malvasia von Bosa, Sorso und Sennori und der Vernaccia (Likörwein) von Oristano.

 

Rotwein:

Die beiden am häufigsten anzutreffenden roten Rebsorten sind der Cannonau und Monica di Sardegna die in den Weinen Nepente, Perda Pinta, Mamuthone und Turriga anzutreffen sind.

Zu international Anerkennen hat es die Cantina Santadi gebracht. Deren Rotweinsortiment beginnt beim Grotta Rossa, steigert sich über den Rocca Rubia bis zum „Schlachtschiff“ Terre Brune.

Als Highlight würden wir den roten Nieddera der Familie Contini bezeichnen. Die Weinbautradition der Familie Contini reicht bis vor 1900 zurück! Die Continis haben den sehr wenig verbreiteten Nieddera neben nur wenigen anderen Winzern Sardiniens vor der Vergessenheit bewahrt. Heute gilt Contini als der fast schon einzige Erzeuger der seltenen Traube!

 

Hochprozentiges: 

Mirto: Der Mirto gehört einfach zum Essen oder gar Alltag der Sarden dazu. Es handelt sich um den Likör schlechthin. Es gibt ihn in zwei Varianten, dem „Mirto Rosso“ (roter Mirto), der aus den Beeren des Myrthenstrauches hergestellt wird und den eher seltener vorkommenden „Mirto Bianco“ (weißer Mirto) der aus den Blätter und Blüten der Myrthe gewonnen wird.

Filu Ferru  (der „Eisendraht“). Es handelt sich um den sardischen Grappa, den die Bauern früher schwarz gebrannt und im Garten vergraben haben, damit die „Guardia di Finanza“ ihn nicht finden konnte. Damit die Bauern ihre Schätze mit teils bis zu 60% Alkoholgehalt selber wiederfinden konnten, haben sie hauchdünne Eisendrähte an den Flaschenhals gebunden, die aus dem Boden ragten. Interessante Sorten sind mit Fenchel oder anderen Kräutern verfeinert. 

Limoncello, ein zwar nicht einzig typisch sardischer Klassiker, der aber stets auf Sardinien im Verbund mit Mirto und Filu Ferru angeboten wird. Limoncello hat einen Alkoholgehalt von etwa 30 bis 35 %. Die gewaschenen Zitronen werden von Hand geschält und die Schale mehrere Wochen lang mit über 90%igem Alkohol eingelegt. Am Ende der Herstellung wird noch Zucker zugeführt, mit dem Alkohol und den eingeweichten Zitronenschalen vermischt und nach einigen Tagen gefiltert – fertig!